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Der gelernte Koffermacher Vuitton erkannte in Zeiten des Umstiegs vom Reisen in der Kutsche, mit der Eisenbahn oder auf Dampfschiffen Mitte des 19. Jahrhunderts die veränderten Bedürfnisse der wohlhabenden Gesellschaft in Bezug auf Reisegepäck und erlangte mit hochwertigen Koffern und exklusivem Gepäck, das schon wenige Jahre nach der Unternehmensgründung international als Statussymbol galt, Weltruf.

Louis Vuitton wurde am 4. August 1821 in Lons-le-Saunier, in der Franche-Comté, geboren. Mit 14 Jahren machte er sich gegen den Willen seines Vaters 1835 auf nach Paris. Von seiner Heimatstadt bis Paris waren es knapp 400 Kilometer, die er zu Fuß bewältigte. Um sich diese Reise zu finanzieren, führte er in den Städten seiner Reise verschiedene kleine Arbeiten aus. Im Jahr 1837 begann er eine Täschner-Lehre bei dem Gepäck-Hersteller Monsieur Maréchal in Paris. Aufgrund seines Talents wurde er exklusiver Kofferpacker (frz. layetier) der Kaiserin Eugénie de Montijo, am Hofe Napoléon III. Mitte des 19. Jahrhunderts war das Hauptverkehrsmittel des Adels und der gutsituierten Bürgerschaft noch die Kutsche. Damit von den Reisekoffern, die auf dem Dach der Kutschen transportiert wurden, bei Regen das Wasser ablaufen konnte, waren deren Deckel damals noch gewölbt. Mit dem Aufkommen des Eisenbahn-Verkehrs änderte sich dieser Umstand. Koffer mussten nun gestapelt werden können und daher flach sein. Mit dieser Erkenntnis eröffnete Vuitton 1854 – nach 17 Jahren als Angestellter bei Monsieur Maréchal – mit 33 Jahren in Paris sein eigenes Geschäft, Louis Vuitton Malletier, in der heutigen Rue des Capucines, unweit der Place Vendôme. Dort verkaufte er unter anderem hochpreisige, flache Koffer, die für damalige Verhältnisse sehr leicht und luftdicht waren.

Louis Vuitton baute 1859 eine Fabrik im Pariser Vorort Asnières und ließ dort von 20 Mitarbeitern moderne Koffer aus beschichtetem, wasserabstoßendem und strapazierfähigem Material fertigen. Die Rahmengerüste der Reisekoffer und Schrankkoffer bestanden aus einer Holz- und Metallkonstruktion. Vuitton verwendete als Oberflächen-Material mit Roggenmehl bestrichenes und imprägnierten Leinen-Stoff. Dieses Material, zu Anfang unter der Bezeichnung Trianon noch in grauem Farbton, erwies sich als staub- und wasserfest. Zu der Trianon-Bespannung gesellte sich später ein Leinen-Oberstoff im längs gestreiften Rayée-Muster. Gefertigt werden die Schrank- und Übersehkoffer nach wie vor aus jahrelang gelagertem Pappelholz für die Rahmen, exotischem Sperrholz für Boden und Deckel sowie Buchenholz für die Leisten. Per Hand werden die Koffer Stück für Stück zusammengenäht und -geklebt. Jeder Messingnagel wird mit dem Hammer eingeschlagen.
Verändert hat sich im Laufe der Jahre lediglich der Bezug. Seit Ende der fünfziger Jahre wird vinylgetränkte Baumwolle verwendet.

1867 nahm Vuitton an der Exposition Universelle de Paris, der Weltausstellung in Paris teil. Im Jahre 1885 eröffnete Vuitton seinen ersten Laden außerhalb Frankreichs. Die immer größere Beliebtheit des Kofferherstellers führte ihn in die Oxford Street nach London. 1886 entwickelte Vuitton mit seinem Sohn Georges Vuitton (1857–1936) das fünfzackige aufbruchsichere Schloss, das unverändert in jeden Vuitton-Koffer eingenietet wird. Jeder Koffer-Kunde namentlich und mit seiner Schlüssel-Nummer in einer Liste verzeichnet.
Die auf mittlerweile über 90 Jahresbände angewachsene Registratur ist wohl die längste Prominentenliste der Welt. Ganze Dynastien, etwa das englische Königshaus, stehen darin, französische Staatsmänner von Clemenceau bis Mitterrand, aber auch die Mistinguette, Sacha Guitry, Mary Pickford, Douglas Fairbanks, Lauren Bacall und Sophia Loren.

 

1888 führte Vuitton das schachbrettartige Damier-Muster auf seinem wasserfesten Leinenstoff ein, das sich auch heute noch in den Kollektionen wiederfindet.

1892 starb Louis Vuitton in Asnières. 1896 entwickelte sein Sohn Georges Vuitton auf Segeltuch das legendäre und immer wiederkehrende "Canvas-Monogramm": die in sich verschlungenen Initialen seines Vaters mit einem stilisierten olivgoldenen Blumenmuster - angelehnt an den Jugendstil. Georges legte damit den Grundstein für den in die heutige Zeit reichenden Label-Kult.

Die staub- und wasserdichten Gepäckstücke der Pariser Familienfirma überdauerten nicht nur Schiffskatastrophen. Sie erwiesen sich als sicher gegen Termitenfraß und tropische Feuchtigkeit. Der französische Afrika-Reisende Pierre Savorgnan de Brazza führte 1879/80 bei der Erforschung des Kongo als wichtigstes Gepäckstück einen Vuitton-Koffer mit sich: Er enthielt ein faltbares Bettgestell, eine Roßhaarmatratze, zwei Decken und vier Laken. Das edle und dabei robuste Gepäck soll noch tagelang in der kalten See des Nordatlantiks geschwommen sein, nachdem seine Besitzer 1912 mit der Titanic untergegangen waren.

Bei der historischen Auto-Rallye Paris-Peking im Jahr 1907 haben Vuitton-Koffer das Durchqueren von Wasser besser überstanden als mancher Motor.

Es war die Zeit, als Vuitton-Kunde Jules Verne (1825-1905) gerade seinen Helden Phileas Fogg in 80 Tagen die Welt hatte umrunden lassen. Die exzentrischsten Globetrotter der Belle Epoque und der zwanziger Jahre haben bei den feinen Koffermachern an den Champs-Elysees arbeiten lassen. Maharadschas und Sultane, Künstler und Könige, Clemenceau wie Coco Chanel waren dort Kunden.
1925 fertigte die Firma für die Sängerin Lily Pons einen Koffer, der 36 Paar Schuhen Platz bot. Ein "Tea-Case" für Autofahrer mit einer bis ins letzte Detail durchdachten Innenaufteilung enthielt unter anderem eine Brennspirituslampe, eine Teekanne und Wasserbehälter, die in ein Dutzend ineinanderpassender Teile zerlegbar sind.

Vuitton-Klassiker wie die frühen "Porte-Habits", die bereits 1889 auf der Pariser Weltausstellung mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurden, der zusammenlegbare "Steamer-Bag" (1901) oder die Bestseller-Reisetasche "Keepall" (1924) werden unverändert noch immer hergestellt.

Nach wie vor wird das Hartgepäck, die Schrank- und Überseekoffer sowie sämtliche Sonderbestellungen im Pariser Vorort Asnieres angefertigt.

Die rund 90 Arbeiter im Stammwerk, meist Behinderte aus einem nahegelegenen Heim, die von Jugend an in das penible Handwerk eingearbeitet werden, kleben und nageln die Koffer Stück für Stück mit der Hand. Für die Rahmen verwenden sie immer noch jahrelang gelagertes Pappelholz, für Boden und Deckel exotisches Sperrholz, Buchenholz für die Leisten.

Seit 1997 ist Marc Jacobs der künstlerische Leiter beim Traditionshaus Louis Vuitton in Paris. Unter Jacobs wurde die Prêt-à-porter-Sparte etabliert, und das Unternehmen kooperierte für seine Taschenkollektionen erfolgreich mit bekannten Künstlern wie Richard Prince, Takashi Murakami, dem amerikanischen Graffiti-Designer Stephen Sprouse und Comme des Garçons. Für die Herrenmode von Louis Vuitton sind andere Designer zuständig, wenngleich Jacobs Kreativ-Direktor ist und somit die Gesamtverantwortung trägt.

2009 ehrte der CFDA Jacobs mit dem International Award für seine Arbeit bei Louis Vuitton. "Mein Label, meine eigene Kollektion: Das bin ich", sagt Jacobs, "das ist mein Lebensstil in New York, das sind meine Interessen, meine Freunde. Dafür lasse ich mich von den Frauen meiner Umgebung inspirieren, wie der Regisseurin Sofia Coppola oder der Malerin Elizabeth Peyton. Sie inspirieren mich nicht nur, weil ich sie - jede auf ihre Art - als schön empfinde, sondern durch das, was sie tun."

 

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