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1942 in Tokio geboren, hat Rei Kawakubo zunächst Kunst und Literatur studiert und dann in der Werbeabteilung eines Chemiefaserherstellers gearbeitet. Später war sie freie Stylistin, 1969 schließlich gründete sie ihr eigenes Label Comme des Garçons - "wie Jungs". Seit 1984 entwirft Kawakubo auch Männer-Kollektionen.

Schon in den Siebziger Jahren begann Comme des Garçons die Kleider wie Objekte zu präsentieren, in reduzierten Interieurs, die weniger an Läden als an Galerien erinnerten. Ihr Charakter als Ware sollte zurücktreten und der verschwenderische Umgang mit dem Raum den Wert der ausgestellten Objekte unterstreichen. Die Mode verstand Rei Kawakubo als Teil eines Gesamtkonzepts.

Obwohl heute die Corporate Identity zum Kern jeder Marke gehört, setzt Kawakubo ihren Weg des Provisorischen und Zufälligen fort: Im Dover Street Market in London wird die Comme-des-Garçons-Mode auf mehreren Etagen in Marktständen präsentiert. Die so genannten Guerilla-Stores sind temporäre Läden, die den Ort, den sie vorfinden, nicht verändern. Mal ist es eine ehemalige Eisdiele, mal eine Bücherei, in denen dann Flakons stehen und Kleider hängen. Das Wichtigste aber ist die Vergänglichkeit: Nach einem Jahr zieht man weiter.

Die japanische Marke ist seit über zwanzig Jahren das, was Jeff Koons einmal in der Kunst oder Bob Wilson im Theater waren. Während Letztere allerdings vom Markt aufgesogen wurden, ist Kawakubo eine Außenseiterin der Modeszene geblieben. Die ersten in Paris gezeigten Prêt-à-porter-Kollektionen waren ein Skandal und zogen große Medienaufmerksamkeit nach sich. Kritiker beschrieben die Kollektionen als "postatomaren Fetzen-Look", "Hiroshima-Chic" und "Quasimodo-Style". Gezeigt wurde eine "Ästhetik der Armut": mit Löchern übersäte Kleider, die aussahen wie von Motten zerfressen, unförmige Kutten von Tauen anstatt Gürteln gehalten, Röcke aus zerfetzten Stoffstreifen und zerzauste Haare der Models. Die als radikal empfundenen Kollektionen waren in dunklen Farben gehalten.

Im Gegensatz zur westlichen Mode löste sich Comme des Garçons von der weiblichen Silhouette, brachte ganz neue Formen in die Mode und widersprach damit dem 1981 herrschenden Schönheitsideal. Als künstlich entlarvt wurde das von der Gesellschaft geschaffene Bild der Frau.

Die innovativen Ideen von Rei Kawakubo prägten den späteren Modestil der 1980er Jahre entscheidend und bei aller Kritik fanden sich einige der eingesetzten Stilmittel in den Folgesaisons bei anderen Designern wieder. In einer weiteren bedeutenden Kollektion von Comme des Garçons, der Frühjahrskollektion von 1997, wurden Kleider gezeigt, die so stark wattiert waren, dass sich Wülste und Buckel ergaben. Kawakubo wollte damit nach eigenen Angaben Volumen und Raum erforschen.

 

Mit den Ausstülpungen auf den Rückenpartien sollte die Einheit der Trägerin mit der zu stemmenden Last des Alltags einem Rucksack gleich symbolisiert werden. Wattierungen an den Ärmeln sollten die typische Körperhaltung von Mobiltelefonträgern nachstellen.

Für ihre ausgefallenen und intellektuellen Entwürfe wurde Kawakubo von der Presse als "Hohepriesterin der Avantgarde-Mode" bezeichnet.

Mode funktioniert durch ihre Vergänglichkeit - und genau das hat Kawakubo als erste sichtbar gemacht.

Die "Ästhetik der Armut", die Comme des Garçons gegen den ostentativen Glamour der achtziger Jahre setzte, war jedoch handwerklich raffiniert gemacht: Für die Löcherpullover etwa hatte Rei Kawakubo Schrauben an den Strickmaschinen gelockert, um durch zu große Maschen den Eindruck von Löchern zu erzielen.

Comme des Garçons steht für neuartige Silhouetten:
"Jede Saison radikal neue Kleidungsstücke zu schaffen, Formen, die noch nie jemand gesehen hat."

Besonders eindrucksvoll ist diese ständig neue Formgebung in der Frühjahrskollektion "Body meets dress" von 1997 zu sehen: absonderliche Kleider in hellblau-weißem Karomuster und leuchtendem Orange, derart wattiert, dass sich asymmetrische Wülste und Buckel ergeben, genau da, wo sie der Körper nie vorsah. Im Gegensatz zur westlichen Mode, die sich auf den Körper bezieht, also seine Formen entweder übertreibt oder verhüllt, lösen sich Kawakubos Silhouetten von ihm.

Im selben Jahr entwarf sie die Kostüme zu Merce Cunninghams Ballett Scénario: Das Bühnenbild war ein weißer, grell ausgeleuchteter Raum und die Kostüme, erst kariert, dann rot, wiesen die gleichen Buckel auf wie in ihrer Kollektion. Sie habe die "Kontaktzone zwischen Körperform und Kleidung" verwischen wollen, sagte Kawakubo.

Comme des Garçons wehrt sich gegen die Kommerzialisierung der Mode. Experten vermuten, dass die Marke ähnlich großen Erfolg wie Gucci hätte haben können, wenn mehr Wert auf Massenkompatibilität gelegt worden wäre. Doch Rei Kawakubo sagt selbst, dass sie mit jeder Kollektion unzufrieden sei, die den Menschen sofort gefiele, da sie dann annehmen müsse, den Betrachter nicht genug gefordert zu haben.

Seit den 1990er Jahren entwerfen die Designer und Kawakubo-Schüler Junya Watanabe und Tao Kurihara für die Comme des Garçons Hauptlinie.

© Foto von Marianne Rogalli 2013

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